Was is das ?
Die proteinreiche Diät basiert auf einem adäquaten Proteinbeitrag von ca. 1,20 g pro Kilo Idealgewicht. Der Kohlehydratbeitrag ist extrem begrenzt, um eine mässige Ketose auszulösen, die das Hungergefühl reduziert und die Muskelmasse beibehält. Der Gewichtsverlust ist oft spektakulär und erfolgt mehrheitlich auf Kosten der Fettmasse.
Eine lange Geschichte
Beim Fasten werden dem Organismus die Kohlenhydrate entzogen und somit der Abbau der Fettreserven ausgelöst, um für die Bedürfnisse im Bereich der Energieversorgung für unseren Organismus aufzukommen. Dieser Mechanismus stimuliert die Produktion von Ketokörpern mit appetithemmenden Eigenschaften. Allerdings bewirkt das Fasten ebenfalls einen Rückgang der Muskelmasse und verursacht Mangelzustände an Vitaminen und Mineralstoffen.
Die Grundlagen der so genannten „eiweißhaltigen“ Diäten gehen auf 1929 zurück, als Doktor Evans die Wirkungen einer Proteinaddierung auf das Depot der Magerasse im Laufe des gesamten Fastens analysierte1. Der Grundsatz wurde in den sechziger Jahren von Professor Apfelbaum wieder aufgenommen, der sie die Protein-Diät nannte2,3,4,5. Im Jahre 1973 wurde diese Diät durch Professor Blackburn von der Medizinschule der Universität von Harvard in Protein-Sparing Modified Fast umbenannt6,7. Nahrungsproteine von hoher Qualität werden der Nahrung hinzu gefügt, und somit der Rückgang der Muskelmasse gemildert, was einen Gewichtsverlust hauptsächlich bei der Fettmasse auslöst.
Die verschiedenen hyperproteinhaltigen Diäten
Zahlreiche Regime und Methoden werden sich von diesem Grundsatz leiten lassen, der in der Tat das Ergebnis eines natürlichen Reflexes des Organismus ist. Diese Technik verbreitet sich schnell in den Vereinigten Staaten, die die Entwicklung der ersten eiweißhaltigen Produkte bewirkt. Jedoch handelt es sich um Produkte mit niedriger Qualität (Verwendung von Gelatine, fehlen von Vitaminen und Mineralstoffen) und Zwischenfälle treten auf.
Während bestimmte Methoden auf Proteinpulver mit hoher Wertigkeit zurückgreifen, bevorzugen andere nur die Proteine der herkömmlichen Ernährung, was zu einem (gefährlichen) Übermass an gesättigten Fettsäuren (die „schlechten“ Fette) führt.
Beispiele: die Atkins-Diät, und heute die Dukan-Diät.
Zahlreiche Studien 8,9,10,11,12,13,14,15,16 auf der ganzen Welt haben die langfristige Wirksamkeit und den Erfolg der Protein-Diät gezeigt, wenn sie nach wissenschaftlichen Vorgaben erfolgt.
Auf diesen Grundlagen haben sich die diätetischen Produkte beträchtlich verbessert. Sie werden durch eine strikte Regelung seit 1977 in Frankreich und seit 1996 in ganz Europa vorgegeben. Heute setzten sie sich aus Proteinen hoher Qualität zusammen, welche alle essentiellen Aminosäuren in ausreichender Quantität, Vitamine, Mineralstoffe und essentiellen Fettsäuren (Omega 3) mitbringen.
Auch die Menge der zugeführten Kalorien hat sich verändert. Anfänglich wurde der täglich Bedarf auf 400-600 kcal/Tag festgelegt.
Verschiedene Studien haben beweisen, dass dermaßen rigorose Einschränkungen keine zusätzlichen Vorteile hinsichtlich des Gewichtsverlustes gegenüber Zufuhr von 800 kcal pro Tag17 erbringen.
Die Abnehmphase wird von der Stabilisierungsphase gefolgt. Diese ist unentbehrlich für die Aufrechterhaltung des erworben Gewichtes und muss nach präzisen Regeln erfolgen.
Vorteile
- Eine motivierende Gewichtsabnahme
- Eine extrem schnelle Abnahme der Fettmass
- Keine Müdigkeit
- Kein Hungergefühl
- Einfaches Programm
- Verbesserung der Fettwerte (Triglyceride und Cholesterin) und des Nüchter-Blutzuckers
- Möglichkeit, eine leichte bis mittlere körperliche Aktivität auszuüben
Nachteile
- Medizinisches Gegenanzeige
- Eine Nahrungsergänzung ist notwendig
- Unerwünschte Wirkungen
- Schlechter Atem (hängt mit der Produktion der Ketokörper zusammen)
- Keine ungewohnte oder intensive körperliche Aktivität
Medizinisches Gegenanzeige
Ob nun die Diät mit oder ohne Proteinpulver durchgeführt wird, die Gegenanzeigen sind dieselben und müssen respektiert werden. Sie sollte unbedingt unter Aufsicht einer Fachperson erfolgen.
Einschränkungen
- Kinder, Jugendliche im Wachstum
- Schwangere und stillende Frauen
- Fehlen des Übergewichtes
- Essverhaltensstörungen und Abhängigkeiten
- Nieren- oder Leberinsuffizienz
- Porphyrie
- Diabetes vom Typ 1 (insulinabhängig)
- Krebs und andere schwerwiegende Erkrankungen (Bluterkrankungen, Parkinson, Alzheimer…)
- Kardio- und zerebrovaskuläre Erkrankungen (Herzrhythmusstörungen, Infarkte, Herzinsuffizienz…)
- Schilddrüsenstörungen
Bedingungen
Das eiweißhaltige Regime kann dennoch unter medizinischer Aufsicht eingenommen werden.
- Planung und Schwangerschaftswunsch
- Hyperurikämie (oder Gicht)
- Nierenstein und Gallenstein
- Hypokaliämie
- Arterielle Hypotonie
- Diabetes nicht insulinabhängig
- Schwere Depression
- Behandlungen mit Diuretika oder Sulfonylharnstoffe
- Schlafstörungen
- Allergien (Ei, Milch, Soja, Aspartam, Gluten, ….)
Die Ergänzung
Das Proteinpulver wird oft mit Vitaminen und Mineralstoffen ergänzt, um den Bedürfnissen des Organismus gerecht zu werden. Das Risiko gewisser Mängel bleibt jedoch individuell bestehen, daher ist es wichtig, die Behandlung mit der Beratung und Betreuung durch eine Gesundheitsfachperson durchzuführen.
Regelmässiger Konsum von Gemüse, Rohkost, qualitativ hochwertigen pflanzlichen Ölen und Getränken ohne Zucker ist unentbehrlich, um den Gewichtsverlust erfolgreich durchzuführen.
Nur durchgeführt mit reinen Proteinen ist diese Kur sehr unausgeglichen und ungünstig auf die längerfristige Stabilisierung des Gewichtes.
Unerwünschte Wirkungen
Unerwünschte Wirkungen sind sehr selten und können schnell behoben werden, wenn die Kur gut durchgeführt wird (Patient gut informiert und die Diät ausgewogen an Mikronährstoffen ist):
- Verstopfung
- Krämpfe, Übelkeit, Schwindel, Kopfweh, Müdigkeit (Mangel an Kalium, Magnesium, Natrium)
- Störungen des Monatszyklus (vorübergehend, hängt mit der Anpassung der sinkenden synthetisierten Östrogene der Adipozyten in unserem Organismus zusammen.
- Heisshunger (normalerweise in den ersten 3 Tagen, bis die Produktion der Ketokörper einsetzt
- Allergien
- Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Haarverlust (Mangel an wichtigen essentiellen Fettsäuren, Vitaminen, Mineralstoffen oder verbunden mit einer Hypothyreose)
- Arterielle Hypotonie (Schwindel, Sensation eines Schwächeanfalls, Müdigkeit) (hängt mit der der Zufuhr an Kohlenhydraten ab)
Bibliographie
- Evans F.A. The treatment of obesity with low calorie diets. J Am Med Ass, 1929, 97 : 1063-1038
- Apfelbaum M., Bostsarron J. Energy balance of obese patients on a reducing diet. Presse Med. 1969 Dec 6;77(52):1941-3.
- Apfelbaum M., Boudon P., Lacatis D., Nillus P. Effets métaboliques de la diète protidique chez 41 sujets obèses. La presse médicale, 1970, 78, n° 44
- Apfelbaum M., Bost-Sarron J., Brigant L., Dupin H. The composition of weight lost during the water diet. Effects of protein supplementation. Gastroenterologia. 1967;108(3):121-34.
- Apfelbaum M. Treatment of obesity by protein diet. Sem Ther. 1968 Mar;44(3):174-6.
- Blackburn GL, Bistrian BR, Flatt JP. Role of a protein-sparing modified fast in a comprehensive weight reduction program. In: Howard AN, ed. Recent Advances in Obesity Research. London, UK: Newman Publishing; 1975, pp. 279–81.
- Bistrian D.R., Blackburn G.L., Stanbury J.B. Metabolic aspects of a protein-sparing modified fast in the dietary management of Prader-Willi obesity. N Engl J Med. 1977 Apr 7;296(14):774-9.
- Torgerson JS :son, Lissner L, Lindroos AK, Kruijer H, Sjõstrõm L. VLCD plus diatary and behavioural support versus support alone in the treatment of severe obesity. A randomised two-year clinical trial. Int J Obes 1997; 21: 987-994.
- Kern PA. A prudent and practical approach to the treatment of obesity. J Ark Med Soc 1997; Oct;94(5):191-7.
- Pekkarinen T, Takala I, Mustajoki P. Weight loss with very-low-calorie diet and cardiovascular risk factors in moderately obese women: one-year follow-up study including ambulatory blood pressure monitoring. Int J Obes 1998 Jul;22(7):661-6.
- Dessanzo V, Ravenna M, Olkies A, Meaglia D. Morbid Obesity. An Integral, Intensive and Ambulatyory Approach. Results after 3 years in the Treatment of Extreme Obesity. Int J Obes. Volume 26. Supplement 1. August 2002; S101: 381.
- Tschochner R, Keopold K, Hagen H, Funk S, Rattenberger A, Linder W, Kreglinger N, Wechsler JG. Body Weight and Life-style Modification after a Weight Reduction Program. Int J Obes. Volume 26. Supplement 1. August 2002; S101: 384.
- Olkies A, Ravenna M, Meaglia D. Obesity and Maintenance Program. Results after 3 years. Int J Obes. Volume 26. Supplement 1. August 2002; S101: 178
- Beeson V, Kreitzman S, Blair B. Successful Long Term Management of Obesity in General Medical Practice. Int J Obes. Volume 22. Supplement 3. August 1998; S290: P742.
- Saris Wim H.M. Very-Low-Calorie Diets and Sustained Weight Loss. Obesity Research Vol. 9. Supplement 4. November 2001; 295S-301S.
- Anderson James W, Vichitbandra Satit, Qian Wei, Kryscio Richard J. Long-Term Weight Maintenance after an Intensive Weight-Loss Program. J American College of Nutrition, Vol. 18, No. 6, 620-627 (1999)
- Tsai AG, Wadden TA. The evolution of very-low-calorie diets: an update and meta-analysis. Obesity 2006;14(8):1283-93.
Übrigens
eine in der Nähe
Finden